
Aufforderung mit Charakter! - Die Niederländerin Elma van Vliet hat ein sehr ansprechendes Buch herausgebracht, das in besonderer Verbindungen zwischen den Generationen ermöglicht. Der Aufforderungscharakter aus dem Titel Papa, erzähl mal! wird auch in den einzelnen Buchabschnitten gut durchgehalten, ohne aufdringlich zu werden. Das Erinnerungsbuch kann so zu einem lebendigen Anekdotenbuch werden, in dem diverse Facetten des Junge-, Mann- und Vaterlebens deutlich werden. In vier Kapiteln werden ältere Väter aufgefordert - und ermutigt - Einzelheiten und Erinnerungen aus ihrem Leben niederzuschreiben. Ob es nun um Kleinsein und Größerwerden, Frauen und Liebe, Freizeit oder persönliche Individualität geht: Klare Fragen, ausreichend Ausfüllraum sowie eine sorgfältige Aufgliederung von Fotos und besinnlichen Texten erleichtern das Verfassen eines individuellen Lebensbuches. Zwar hätte die Schriftgröße - gerade für betagtere Männer - größer sein können und der weiße Text auf ockerfarbenem Untergrund für das Einkleben von Fotos ist auch nicht gerade etwas für sehschwächere Väter, dennoch ist das Buch ein charaktervolles Element, so manche Sprachlosigkeit wieder zum Leben zu erwecken. Der ansprechend gestaltete Einband ist so auch ein Glanzstück im Bücherregal. Verbesserungswürdig wäre zudem noch eine kleine Zeitleiste, die das Biographische in Zusammenhang mit der Geschichte und Politik stellt. Das Buch lässt sich auch ohne weiteres für familientherapeutische Einheiten nutzen und könnte noch durch ein klareres Stammbaum- oder Genogramm-Schaubild ergänzt werden. Ansonsten kann aus dem Buch eine Schatztruhe werden, die man als Geschenk nur zu gerne öffnet!
Nach der Mama nun der Papa - Das Abschiednehmen von ihrer Mutter veranlasst die Autorin zum Buch Mama, erzähl mal!. Nach dem Erfolg dieses speziellen Erinnerungsbuches war es voraussehbar, auch eine Version für den Papa zu verfassen. Mich stört es daher ein wenig, wenn die Autorin im Vorwort darauf hinweist, sie sei von der Leserschaft beinahe dazu genötigt worden. Aber verzeihen wir Elma van Vliet oder dem Verlag diese rhetorische Floskel. Konzept, Gestaltung und viele Fragen wurden vom Band Mama, erzähl mal! übernommen. Mir scheinen die Anpassungen und Varianten geglückt. Wenn dem Leser noch andere Fragen in den Sinn kommen, so ist dies keine Schwäche, sondern eine Stärke des Buches. Denn ich meine, das Buch habe noch andere Funktionen als das eines Geschenkes mit Rückgabepflicht. Es kann auch als Vorlage für eigene Werke dienen. Oder als Anstoss, seinem Vater überhaupt Fragen zu stellen.Mein Fazit: Das Leben selber hat der Autorin eine schöne Idee geschenkt, aus der das Buch Mama, erzähl mal! entstanden ist. Für die Vaterversion gilt, was ich schon zum ersten Band sagte. Also bitte klicken.